Einwanderung prägt Mangelberufe: Mehr als die Hälfte der Köche mit Einwanderungsgeschichte

Mehrere Köche bereiten gemeinsam Speisen in einer professionellen Küche zu

Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte tragen einen erheblichen Teil jener Berufe, in denen Personal schon heute knapp ist. Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie ungleich sich dieser Anteil über den deutschen Arbeitsmarkt verteilt. Im Jahr 2025 hatte gut ein Viertel der abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte. In mehreren Engpassberufen lag der Anteil dagegen bei mehr als der Hälfte. Besonders deutlich war das bei Köchinnen und Köchen, in der Lebensmittelherstellung, bei der Bodenverlegung, im Gerüstbau und in der Fleischverarbeitung.

Die am 28. September 2026 veröffentlichte Auswertung verbindet zwei Debatten, die häufig getrennt geführt werden: den Fachkräftemangel und die Integration eingewanderter Menschen in den Arbeitsmarkt. Die Zahlen belegen weder einen flächendeckenden Arbeitskräftemangel noch lösen sie die Frage nach Qualifikation, Anerkennung oder Arbeitsbedingungen automatisch. Sie machen aber sichtbar, dass viele alltägliche Dienstleistungen und Produktionsabläufe bereits stark von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte abhängen. Das gilt für Restaurants und Pflegeeinrichtungen ebenso wie für Verkehr, Bau und industrielle Fertigung.

27 Prozent der abhängig Beschäftigten haben eine Einwanderungsgeschichte

Nach der Destatis-Mitteilung vom 28. September 2026 hatten 2025 insgesamt 27 Prozent aller abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte. Nach der verwendeten Definition gilt das für Menschen, die selbst seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind, oder deren beide Elternteile seitdem eingewandert sind. Personen mit nur einem eingewanderten Elternteil werden in dieser Abgrenzung nicht derselben Gruppe zugerechnet. Der Begriff beschreibt damit etwas anderes als Staatsangehörigkeit: Auch deutsche Staatsangehörige können eine Einwanderungsgeschichte haben.

Die Daten stammen aus dem Mikrozensus und beziehen sich auf abhängig Beschäftigte. Sie sagen deshalb nicht unmittelbar aus, wie viele Selbstständige oder Unternehmerinnen und Unternehmer eine Einwanderungsgeschichte haben. Zudem handelt es sich bei den Angaben für 2025 um Erstergebnisse. Für die wirtschaftliche Einordnung ist diese Abgrenzung wichtig, weil aus den Anteilen weder eine Beschäftigtenzahl für jede Berufsgruppe noch eine Aussage über Produktivität, Qualifikation oder Entlohnung abgeleitet werden kann.

In welchen Mangelberufen der Anteil besonders hoch ist

Am höchsten war der von Destatis ausgewiesene Anteil bei Köchinnen und Köchen: 56 Prozent der Beschäftigten in diesem Beruf hatten 2025 eine Einwanderungsgeschichte. In der Lebensmittelherstellung waren es 55 Prozent und in der Bodenverlegung 54 Prozent. Im Gerüstbau sowie in der Fleischverarbeitung lag der Anteil jeweils bei 51 Prozent. Bus- und Straßenbahnfahrerinnen und -fahrer sowie Servicekräfte in der Gastronomie erreichten jeweils 47 Prozent.

Damit sind mehrere Bereiche betroffen, die unmittelbar für Versorgung, Mobilität und Alltag relevant sind. Die Gastronomie ist zugleich eine Branche mit schwankender Nachfrage und hohem Kostendruck. Der bereits veröffentlichte Überblick zum Gastgewerbeumsatz im Juli 2026 zeigt, dass ein monatliches reales Umsatzplus ein schwaches Vorjahresniveau nicht automatisch ausgleicht. Die Personalfrage trifft dort also auf eine wirtschaftlich anspruchsvolle Lage.

Auch in der Kunststoff- und Kautschukherstellung lag der Anteil mit 44 Prozent deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Wert. Bei Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern im Güterverkehr betrug er 41 Prozent, im Hotelservice 40 Prozent. In Pflegeberufen hatten 33 Prozent der Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte, bei zahnmedizinischen Fachangestellten waren es 32 Prozent und in der Bauelektrik 29 Prozent. Die Spannweite verdeutlicht, dass die Bedeutung nicht auf einen einzelnen Sektor begrenzt ist.

Ein vielfältiges Team aus Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften in einem Krankenhaus

Warum „Engpassberuf“ nicht automatisch allgemeinen Arbeitskräftemangel bedeutet

Destatis orientiert sich bei der Einordnung der Berufe an der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Ein Engpass liegt vor, wenn die Besetzung offener Stellen in einem Beruf überdurchschnittlich schwierig ist oder ein Mangel droht. Dafür betrachtet die Bundesagentur mehrere Indikatoren. Ein einzelner hoher Stellenbestand reicht nicht aus. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel von Stellenbesetzung, Arbeitsuchenden, berufsspezifischer Arbeitslosigkeit, Entgeltentwicklung und weiteren Merkmalen.

Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit weist 157 Engpassberufe aus. Das waren sechs weniger als 2024 und 26 weniger als 2023. Die meisten Engpässe bestanden auf Fachkräfteniveau; weitere betrafen Spezialisten- und Expertentätigkeiten. Besonders häufig waren Pflege- und Gesundheitsberufe sowie Bau- und Handwerksberufe betroffen. Auch Köche, Berufskraftfahrer und Erzieher wurden stark nachgefragt.

Gleichzeitig betont die Bundesagentur, dass es keinen Beleg für einen allgemeinen Arbeitskräftemangel gibt. In vielen Berufen übersteigt das verfügbare Angebot die Nachfrage. Das Problem ist ein Mismatch: Qualifikation, Beruf, Arbeitsort und Anforderungen der offenen Stelle passen nicht immer zusammen. Dieser Befund ergänzt den älteren Hintergrundbeitrag darüber, welche Maßnahmen gegen Fachkräfteengpässe nötig sind, um eine aktuelle und deutlich differenziertere Datengrundlage.

Einwanderung stabilisiert Beschäftigung, ersetzt aber keine Fachkräftestrategie

Die Bundesagentur für Arbeit berichtete am 2. September 2026, dass sich der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen seit 2014 von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt hat. Diese Statistik folgt dem Merkmal Staatsangehörigkeit und ist daher nicht direkt mit der Destatis-Abgrenzung nach Einwanderungsgeschichte vergleichbar. Beide Befunde weisen jedoch in dieselbe Richtung: Ohne Zuwanderung wäre das verfügbare Arbeitskräfteangebot in mehreren angespannten Berufsfeldern geringer.

Besonders sichtbar wird das in der Pflege. Nach Angaben der Bundesagentur sank die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit dort zwischen Juni 2024 und Juni 2025 um 5.000. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit um 46.000. Die Zahlen beschreiben eine Veränderung innerhalb eines Jahres und bedeuten nicht, dass jede zusätzliche ausländische Arbeitskraft einen Rückgang eins zu eins ersetzt. Sie zeigen aber, welchen Beitrag internationale Rekrutierung und bereits in Deutschland lebende Eingewanderte zur Stabilisierung der Personalbasis leisten.

Eine tragfähige Fachkräftestrategie umfasst mehr als Zuwanderung. Dazu gehören Ausbildung, Weiterbildung, bessere Übergänge zwischen Arbeitslosigkeit und Beschäftigung, familienfreundliche Arbeitszeiten, eine höhere Erwerbsbeteiligung und altersgerechte Arbeitsplätze. Auch verlässliche Anerkennungsverfahren, Sprachförderung und transparente Karrierewege entscheiden darüber, ob vorhandene Qualifikationen tatsächlich genutzt werden. Die Bedeutung beruflicher Zugänge wird am Beispiel der Ausbildung und Karriere in der Logistik deutlich, einem Bereich, in dem Personalbedarf und Qualifikationsanforderungen eng zusammenhängen.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Berufsgruppen

Hohe Anteile in einigen Engpassberufen dürfen nicht verdecken, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte in anderen Berufen stark unterrepräsentiert sind. Im Rettungsdienst hatten 2025 nur sieben Prozent der Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte. Im Verkauf von Fleischwaren waren es 13 Prozent, in der Landwirtschaft 15 Prozent. Auch außerhalb der Engpassberufe nennt Destatis niedrige Anteile: acht Prozent im Polizeivollzugsdienst, jeweils neun Prozent in der öffentlichen Verwaltung und Justizverwaltung, neun Prozent bei Lehrkräften berufsbildender Fächer sowie zehn Prozent in der Primarstufe.

Die Gründe lassen sich aus den Anteilen allein nicht bestimmen. Zugangsvoraussetzungen, Anerkennung von Abschlüssen, Sprach- und Staatsangehörigkeitsanforderungen, regionale Arbeitsmärkte und die Altersstruktur können je nach Beruf unterschiedlich wirken. Eine reine Gegenüberstellung von Prozentwerten wäre daher zu kurz gegriffen. Nötig ist die Prüfung, ob qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber an formalen Hürden scheitern, ob Aus- und Weiterbildung fehlen oder ob Arbeitsbedingungen die Personalgewinnung erschweren.

Was die Zahlen für Unternehmen und Wirtschaftspolitik bedeuten

Für Unternehmen ergibt sich aus den Daten eine praktische Konsequenz: Personalplanung in Engpassberufen ist zunehmend mit Integrations- und Bindungsarbeit verbunden. Rekrutierung im Ausland kann offene Stellen erschließen, ist aber nur der Beginn. Betriebliche Sprachförderung, nachvollziehbare Einarbeitung, Unterstützung bei Anerkennungsverfahren und diskriminierungsfreie Entwicklungsmöglichkeiten beeinflussen, ob Beschäftigung dauerhaft gelingt. Kleine Unternehmen benötigen dafür oft externe Beratung, weil eigene Personalabteilungen fehlen.

Für die Wirtschaftspolitik besteht die Aufgabe darin, unterschiedliche Engpässe nicht mit einem einzigen Instrument zu behandeln. Wo Fachqualifikationen fehlen, sind Ausbildung und Anerkennung zentral. Wo regionale Unterschiede dominieren, helfen Mobilität, Wohnraum und Verkehrsanbindung. Wo Beschäftigte wegen ungünstiger Arbeitszeiten oder hoher Belastung ausscheiden, können bessere Arbeitsbedingungen wichtiger sein als zusätzliche Anwerbung. Die allgemeine wirtschaftliche Wirkung von Migration hängt deshalb wesentlich davon ab, wie gut Arbeitsmarkt, Bildungssystem und Verwaltung zusammenspielen.

Einordnung: Die Destatis-Zahlen sprechen gegen eine Debatte, die Zuwanderung ausschließlich als abstrakte Größe behandelt. In mehreren arbeitsmarktrelevanten Berufen ist sie längst Teil des laufenden Betriebs. Ebenso wenig rechtfertigen die Daten die Annahme, Zuwanderung allein könne jedes Personalproblem lösen. Entscheidend bleibt, ob Qualifikationen passen, Beschäftigte langfristig bleiben und Unternehmen attraktive Stellen anbieten.

Grenzen der Statistik und typische Fehlinterpretationen

Die wichtigste Grenze liegt in der Aussagekraft von Anteilen. Ein Anteil von 56 Prozent bei Köchinnen und Köchen sagt nichts über die absolute Zahl offener Stellen oder die Entwicklung der Beschäftigung aus. Ebenso folgt aus einem niedrigen Anteil im Rettungsdienst nicht automatisch eine Benachteiligung. Für solche Schlussfolgerungen wären zusätzliche Daten über Bewerbungen, Qualifikationen, Einstellungen und Zugangsvoraussetzungen erforderlich.

Außerdem dürfen Einwanderungsgeschichte und ausländische Staatsangehörigkeit nicht gleichgesetzt werden. Destatis zählt auch eingebürgerte Personen und in Deutschland geborene Nachkommen zweier eingewanderter Eltern zur Gruppe mit Einwanderungsgeschichte. Die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur unterscheidet häufig nach Staatsangehörigkeit. Werden beide Kennzahlen vermischt, entstehen scheinbare Widersprüche, obwohl unterschiedliche Personengruppen gemessen werden.

Schließlich beschreibt die Auswertung das Jahr 2025, auch wenn sie im September 2026 veröffentlicht wurde. Für aktuelle Personalentscheidungen ist sie ein belastbarer Strukturhinweis, aber kein Echtzeitindikator. Konjunktur, Nachfrage und Beschäftigung können sich seitdem verändert haben. Daher sollten Unternehmen die Jahresdaten mit regionalen Stellenmarktinformationen und aktuellen Branchenkennzahlen verbinden.

Fazit: Engpassberufe sind ohne Einwanderung kaum denkbar

Die neue Destatis-Auswertung zeigt eine strukturelle Realität des deutschen Arbeitsmarktes. 27 Prozent der abhängig Beschäftigten hatten 2025 eine Einwanderungsgeschichte. In Küche, Lebensmittelherstellung, Bodenverlegung, Gerüstbau und Fleischverarbeitung stellte diese Gruppe sogar mehr als die Hälfte der Beschäftigten. Auch Verkehr, Hotellerie, Pflege, Zahnarztpraxen und Bauelektrik lagen teils deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Die Daten belegen damit einen hohen Beitrag zur wirtschaftlichen Versorgung, aber keinen allgemeinen Arbeitskräftemangel. Die Engpassanalyse der Bundesagentur unterscheidet gezielt nach Berufen und verweist auf ein Mismatch von Angebot und Nachfrage. Eine wirksame Antwort verbindet qualifizierte Zuwanderung mit Ausbildung, Anerkennung, Weiterbildung, guter Arbeitsorganisation und fairen Entwicklungschancen. Wo Beschäftigte langfristig gewonnen und gehalten werden, kann Einwanderung Engpässe abfedern. Wo strukturelle Probleme ungelöst bleiben, reicht zusätzliche Rekrutierung allein nicht aus.

Häufige Fragen zu Einwanderung und Mangelberufen

Die wichtigsten Begriffe und Zahlen der aktuellen Auswertung lassen sich in sechs Antworten zusammenfassen.

Wie hoch ist der Anteil von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte?

Im Jahr 2025 hatten 27 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte. Die Angabe stammt aus dem Mikrozensus und wurde am 28. September 2026 von Destatis veröffentlicht.

In welchem Engpassberuf ist der Anteil am höchsten?

Unter den von Destatis hervorgehobenen Berufen lag der höchste Anteil bei Köchinnen und Köchen mit 56 Prozent. Es folgten die Lebensmittelherstellung mit 55 Prozent und die Bodenverlegung mit 54 Prozent.

Was gilt als Einwanderungsgeschichte?

Eine Einwanderungsgeschichte haben nach der verwendeten Definition Personen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Das Merkmal ist nicht mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit gleichzusetzen.

Was ist ein Engpassberuf?

Ein Engpassberuf ist ein Beruf, in dem die Besetzung offener Stellen nach mehreren Arbeitsmarktindikatoren überdurchschnittlich schwierig ist oder ein Fachkräftemangel droht. Die Bundesagentur für Arbeit wies für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe aus.

Bedeuten die Zahlen einen allgemeinen Arbeitskräftemangel?

Nein. Die Bundesagentur für Arbeit sieht keinen Beleg für einen flächendeckenden Arbeitskräftemangel. Engpässe konzentrieren sich auf bestimmte Berufe, Qualifikationen und Regionen, während in anderen Bereichen das Arbeitskräfteangebot größer ist als die Nachfrage.

Welche Maßnahmen helfen neben Zuwanderung?

Wichtig sind Ausbildung und Weiterbildung, schnellere und verlässliche Anerkennungsverfahren, Sprachförderung, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, altersgerechte Arbeit sowie attraktive Arbeitsbedingungen. Je nach Beruf müssen diese Instrumente unterschiedlich kombiniert werden.

Bildnachweise: Beitragsbild: Foto von Amar Preciado auf Pexels (Foto-ID 11157601); Bild im Artikel: Foto von RDNE Stock project auf Pexels (Foto-ID 6129507). Nutzung gemäß Pexels-Lizenz.

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