Deutschlands Russlandhandel bricht ein: Importe seit 2021 um 96,4 Prozent gesunken

Großes Containerschiff auf ruhigem Wasser bei Sonnenuntergang als Symbol für internationalen Warenhandel

Der wirtschaftliche Austausch zwischen Deutschland und Russland ist innerhalb weniger Jahre auf einen Bruchteil seines früheren Umfangs geschrumpft. Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie tief die Zäsur ausfällt: Im ersten Halbjahr 2026 importierte Deutschland Waren im Wert von nur noch gut 0,5 Milliarden Euro aus der Russischen Föderation. Im ersten Halbjahr 2021, also vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und vor der anschließenden Ausweitung der europäischen Sanktionen, waren es noch 15,0 Milliarden Euro. Der Rückgang beträgt 96,4 Prozent.

Auch die deutschen Ausfuhren nach Russland gingen stark zurück, allerdings weniger drastisch als die Einfuhren. Ihr Wert sank im selben Vergleichszeitraum von 12,7 Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro. Damit hat sich nicht nur das Volumen des bilateralen Warenhandels verändert. Auch die Zusammensetzung der gehandelten Güter, die Bedeutung russischer und deutscher Unternehmensbeteiligungen sowie die Verkehrsverbindungen zwischen beiden Ländern sehen heute grundlegend anders aus.

Die am 21. Oktober 2026 veröffentlichte Sonderauswertung von Destatis bündelt dafür Außenhandels-, Unternehmens-, Verkehrs- und Wanderungsdaten. Sie erlaubt eine belastbare Bestandsaufnahme, aber keine einfache monokausale Erklärung. Sanktionen, weggefallene Energieimporte, veränderte Lieferketten, Unternehmensentscheidungen und ein generell schwierigeres Geschäftsumfeld wirken gleichzeitig. Entscheidend ist deshalb die Trennung zwischen statistischem Befund und wirtschaftlicher Einordnung.

Was die neuen Außenhandelszahlen zeigen

Die auffälligste Zahl betrifft die Einfuhren. Von Januar bis Juni 2026 bezog Deutschland Waren für gut 0,5 Milliarden Euro aus Russland. Gegenüber den 15,0 Milliarden Euro des ersten Halbjahres 2021 fehlen damit rund 14,5 Milliarden Euro. Der prozentuale Rückgang von 96,4 Prozent macht deutlich, dass der direkte russische Warenbezug für die deutsche Volkswirtschaft nur noch eine kleine Rolle spielt.

Bei den Ausfuhren fiel der Rückgang geringer, aber weiterhin massiv aus. Deutsche Unternehmen lieferten im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro nach Russland. Fünf Jahre zuvor waren es 12,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von 73,1 Prozent. Die Exportbeziehungen bestehen also fort, konzentrieren sich jedoch auf deutlich weniger Volumen und auf andere Warengruppen als vor dem Krieg.

Aus den gerundeten Destatis-Werten ergibt sich rechnerisch für das erste Halbjahr 2026 ein deutscher Warenhandelsüberschuss gegenüber Russland von ungefähr 2,9 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2021 hatte dagegen ein Defizit von rund 2,3 Milliarden Euro bestanden. Dieser Vorzeichenwechsel ist kein Hinweis auf eine verbesserte Handelsbeziehung. Er entsteht vor allem dadurch, dass die früher sehr hohen Energieimporte fast vollständig weggebrochen sind. Ähnlich vorsichtig müssen auch aktuelle Meldungen über ein Handelsdefizit der Eurozone gelesen werden: Ein Saldo allein sagt wenig darüber aus, ob der zugrunde liegende Handel dynamisch oder schwach ist.

Die Struktur der Importe hat sich vollständig verschoben

Vor dem Angriff auf die Ukraine wurde der Warenimport aus Russland vor allem von fossilen Energieträgern geprägt. Im ersten Halbjahr 2021 entfielen 9,2 Milliarden Euro und damit 61,5 Prozent der deutschen Einfuhren aus Russland auf Erdöl und Erdgas. Metalle machten damals 13,5 Prozent aus, Kokerei- und Mineralölerzeugnisse weitere 7,4 Prozent.

Diese Struktur existiert 2026 nicht mehr. Die größte Importgruppe waren im ersten Halbjahr Nahrungs- und Futtermittel mit 206,1 Millionen Euro beziehungsweise 38,7 Prozent. Dahinter folgten Metalle mit 168,3 Millionen Euro oder 31,6 Prozent sowie chemische Erzeugnisse mit 95,9 Millionen Euro oder 18,0 Prozent. Zusammen standen diese drei Gruppen für fast neun Zehntel der verbliebenen Importe.

Der Wandel passt zu der breiteren Neuordnung der deutschen Energieversorgung. Die Kosten und Herkunft der deutschen Rohölimporte im Jahr 2026 zeigen, dass sich Bezugsquellen und Preisrelationen nach 2022 deutlich verschoben haben. Für die Russlandstatistik bedeutet das: Der Rückgang des Importwertes ist nicht einfach eine normale konjunkturelle Schwankung, sondern spiegelt vor allem den Wegfall einer zuvor dominierenden Warengruppe.

Pharmazeutische Produkte dominieren die deutschen Exporte

Auf der Exportseite zeigt sich eine andere Verschiebung. Im ersten Halbjahr 2021 waren Maschinen mit 3,0 Milliarden Euro und 23,4 Prozent noch die wichtigste deutsche Warengruppe im Russlandgeschäft. Kraftwagen und Kraftwagenteile kamen auf 17,9 Prozent, chemische Erzeugnisse auf 11,3 Prozent. Das damalige Exportprofil war damit stark industriell geprägt.

Im ersten Halbjahr 2026 entfielen dagegen 1,5 Milliarden Euro und 42,4 Prozent der deutschen Ausfuhren nach Russland auf pharmazeutische Erzeugnisse. Maschinen erreichten nur noch 11,1 Prozent, Nahrungs- und Futtermittel 10,5 Prozent. Dass Arzneimittel einen so hohen Anteil ausmachen, ist im Zusammenhang mit der Ausgestaltung der Sanktionen wichtig. Der Rat der Europäischen Union erläutert, dass Gesundheits-, Pharma-, Lebensmittel- und Agrargüter grundsätzlich von den allgemeinen Handelsbeschränkungen ausgenommen werden sollen, damit die russische Bevölkerung nicht unmittelbar getroffen wird.

Beschäftigte mit Handschuhen kontrollieren Tablettenblister in einer pharmazeutischen Produktionsanlage
Die Produktion von Arzneimitteln steht symbolisch für die inzwischen größte deutsche Exportgruppe im Russlandhandel. Foto: Elements Interactive / Pexels.

Der hohe Pharmaanteil bedeutet allerdings nicht, dass die Branche ihr früheres Russlandgeschäft vollständig ersetzt hätte. Er ist auch ein Quotienteneffekt: Weil Maschinen, Fahrzeuge und viele technische Güter wesentlich stärker zurückgingen, nimmt Pharma innerhalb eines viel kleineren Exportvolumens mehr Raum ein. Der Wert von 1,5 Milliarden Euro muss daher sowohl absolut als auch im Verhältnis zum Gesamtexport betrachtet werden.

Russland ist für den gesamten deutschen Warenhandel nur noch ein kleiner Markt

Im ersten Halbjahr 2026 exportierte Deutschland nach einer weiteren Destatis-Auswertung zum gesamten Außenhandel Waren im Wert von 817,8 Milliarden Euro. Die Importe summierten sich auf 712,1 Milliarden Euro. Werden die gerundeten Russlandwerte dazu ins Verhältnis gesetzt, entfielen auf Russland rechnerisch etwa 0,42 Prozent der deutschen Exporte und ungefähr 0,07 Prozent der Importe. Wegen der gerundeten Ausgangswerte sind dies Näherungen und keine separat ausgewiesenen amtlichen Quoten.

Die Relationen zeigen dennoch klar, dass Russland seine frühere Bedeutung als Energielieferant und Absatzmarkt im direkten deutschen Warenhandel weitgehend verloren hat. Für einzelne Unternehmen oder Branchen kann das Land weiterhin relevant sein, insbesondere bei pharmazeutischen Produkten, bestimmten Lebensmitteln, Metallen oder noch zulässigen Maschinenlieferungen. Gesamtwirtschaftlich ist das unmittelbare Warenhandelsgewicht aber sehr gering.

Parallel richtet sich der europäische Handel stärker auf andere Lieferanten, Märkte und Technologien aus. Die Entwicklung beim EU-Handel mit Windkraftanlagen und Solarmodulen verdeutlicht, dass Versorgungssicherheit heute nicht nur über Rohstoffquellen, sondern zunehmend auch über die Herkunft von Energietechnik und industrielle Kapazitäten bewertet wird.

Sanktionen sind zentral, erklären den Rückgang aber nicht allein

Die Europäische Union hatte bis zum Datenstand 21 Sanktionspakete gegen Russland beschlossen. Die aktuelle Übersicht des Rates der EU, zuletzt am 15. Oktober 2026 überprüft, nennt Beschränkungen in den Bereichen Finanzen, Handel, Energie, Transport, Technologie, Verteidigung und Dienstleistungen. Dazu gehören Importverbote für zahlreiche russische Rohstoffe und Produkte, Ausfuhrverbote für Güter mit militärischer oder industrieller Bedeutung, Beschränkungen für Banken und Finanztransaktionen sowie Maßnahmen gegen Umgehungsgeschäfte.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen der Ausweitung dieser Regeln und dem Einbruch des Warenhandels ist offensichtlich. Dennoch wäre es statistisch nicht sauber, den gesamten Rückgang allein den Sanktionen zuzuschreiben. Unternehmen haben zusätzlich eigene Geschäfte beendet oder reduziert, Versicherungs- und Zahlungsrisiken neu bewertet und Lieferketten umgestellt. Russland wiederum hat seine Handelsströme stärker auf andere Partner ausgerichtet. Wechselkurse, Energiepreise und die unterschiedliche Preisentwicklung einzelner Güter beeinflussen nominale Handelswerte ebenfalls.

Besonders stark wirken die Maßnahmen dort, wo früher große Warenströme bestanden. Die europäischen Beschränkungen für russisches Erdöl, Erdölerzeugnisse und Kohle sowie weitere energiebezogene Maßnahmen treffen genau jene Kategorie, die 2021 den deutschen Import aus Russland dominierte. Exportseitig betreffen Verbote und Genehmigungspflichten unter anderem Dual-Use-Güter, Hochtechnologie, Maschinenkomponenten und zahlreiche Leistungen. Die verbliebene hohe Bedeutung pharmazeutischer Erzeugnisse passt deshalb zu den ausdrücklich vorgesehenen humanitären Ausnahmen.

Auch die Unternehmensverflechtungen werden kleiner

Die Entkopplung ist nicht nur in Zollmeldungen sichtbar. Nach Destatis-Angaben gab es 2024 noch 76 Unternehmen in Deutschland, die von russischen Muttergesellschaften kontrolliert wurden. Das waren 0,2 Prozent aller auslandskontrollierten Unternehmen. Diese Firmen erzielten 8,4 Milliarden Euro Umsatz, entsprechend 0,4 Prozent des Umsatzes aller auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland.

Im Jahr 2021 waren noch 229 russisch kontrollierte Unternehmen gezählt worden. Ihr Umsatz hatte 25,4 Milliarden Euro erreicht. Sowohl die Zahl als auch der Umsatz gingen bis 2024 somit auf ungefähr ein Drittel zurück. Die Statistik erfasst dabei kontrollierende Beteiligungsverhältnisse und nicht jede Minderheitsbeteiligung oder Geschäftsbeziehung.

Auch in der Gegenrichtung nahm die Präsenz ab. Nach den von Destatis zitierten Daten der Deutschen Bundesbank wurden 2024 noch 290 Unternehmen in Russland von deutschen Investoren kontrolliert. Sie erzielten einen Umsatz von 13 Milliarden Euro. Im Jahr 2021 waren es 481 Unternehmen mit 38 Milliarden Euro Umsatz. Hinter diesen aggregierten Zahlen stehen sehr unterschiedliche Unternehmensentscheidungen, von Verkäufen über Abschreibungen bis hin zum Verlust operativer Kontrolle. Ein konkretes Beispiel liefert die russische Zwangsverwaltung des METRO-Geschäfts, die zeigt, dass Eigentum, Kontrolle und wirtschaftlicher Zugriff auseinanderfallen können.

Verkehr und Mobilität bestätigen die wirtschaftliche Distanz

Die Verkehrsstatistik zeichnet ein ähnliches Bild. Direkte Flüge zwischen Deutschland und Russland spielten im ersten Halbjahr 2026 praktisch keine Rolle mehr. Im ersten Halbjahr 2019, dem letzten gut vergleichbaren Jahr vor Pandemie und Krieg, waren noch jeweils rund eine Million Passagiere von Deutschland nach Russland und in der Gegenrichtung unterwegs. Die Einstellung regulärer Direktverbindungen verlängert Geschäftsreisen, erhöht Kosten und erschwert persönliche Kontakte.

Auch bei den endgültigen Reisezielen ist der Rückgang erheblich. Im ersten Halbjahr 2026 flogen 39.900 Passagiere von deutschen Flughäfen mit Russland als letztbekanntem Ziel ab. Das waren nach Destatis 96 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Diese Zahl schließt Umsteigeverbindungen ein, soweit das Endziel statistisch bekannt ist. Sie misst keine Geschäftsbeziehung, ist aber ein zusätzlicher Indikator dafür, wie stark die unmittelbare Verbindung beider Volkswirtschaften geschrumpft ist.

Was die Zahlen für Unternehmen bedeuten

Für Unternehmen mit Russlandbezug folgt aus der Statistik keine pauschale Handlungsempfehlung. Die wirtschaftliche Einordnung lautet vielmehr: Ein kleineres Handelsvolumen reduziert die gesamtwirtschaftliche Abhängigkeit, kann für einzelne Betriebe aber hohe Konzentrations-, Compliance- und Ausfallrisiken verdecken. Schon geringe Lieferwerte können technisch kritische Komponenten betreffen. Umgekehrt kann ein nominell großer Exportanteil aus Produkten bestehen, deren Lieferung politisch ausdrücklich nicht verhindert werden soll.

Besonders wichtig bleibt die Prüfung von Gütern, Vertragspartnern, Banken, Transportwegen und wirtschaftlich Berechtigten. Die EU hat die Maßnahmen gegen Umgehung über Drittländer erweitert und verlangt in bestimmten Fällen vertragliche oder organisatorische Vorkehrungen. Die statistische Restgröße „Handel mit Russland“ sagt daher nichts darüber aus, ob ein konkretes Geschäft erlaubt ist. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Verordnungen, Güterlisten, Endverwendungen und Beteiligungsverhältnisse.

Für Beschaffung und Risikomanagement unterstreichen die Daten außerdem den Wert alternativer Lieferquellen. Die Umstellung bei Energie war besonders sichtbar, doch dieselbe Logik gilt für Metalle, chemische Vorprodukte und spezialisierte Zulieferungen. Diversifizierung ist dabei nicht automatisch kostengünstiger. Sie kann höhere Transport-, Prüf- und Finanzierungskosten verursachen, senkt aber das Risiko, dass ein einzelner politischer oder logistischer Bruch die gesamte Produktion trifft. Diese Aussage ist eine wirtschaftliche Einordnung und keine direkte Schlussfolgerung aus einer einzelnen Destatis-Tabelle.

Grenzen der Statistik

Die veröffentlichten Werte beziehen sich auf den Warenhandel. Dienstleistungen, Kapitalströme und Geschäfte deutscher Tochterunternehmen außerhalb Deutschlands sind darin nicht vollständig enthalten. Ebenso bilden nominale Eurobeträge Preis- und Mengenänderungen gemeinsam ab. Bei Rohstoffen kann ein sinkender Wert sowohl aus geringeren Mengen als auch aus niedrigeren Preisen entstehen. Aus den genannten Summen allein lässt sich keine exakte Mengenentwicklung ableiten.

Hinzu kommt der Vergleich unterschiedlicher Jahre. Das erste Halbjahr 2021 dient als Vorkriegsreferenz, während Unternehmensdaten teilweise für die Gesamtjahre 2021 und 2024 vorliegen und Passagierdaten mit 2019 verglichen werden. Diese Referenzjahre wurden gewählt, weil Pandemie, Krieg und Datenverfügbarkeit sonst die Aussage verzerren würden. Sie sollten jedoch nicht zu einer scheinbar einheitlichen Zeitreihe zusammengezogen werden.

Auch indirekte Handelsströme bleiben eine Grenze. Waren russischen Ursprungs können über Verarbeitung oder Zwischenhandel in Drittländern in andere statistische Kategorien fallen. Umgekehrt können deutsche Vorprodukte über Drittstaaten nach Russland gelangen. Zoll-, Ursprungs- und Sanktionsregeln versuchen solche Umgehungen zu erfassen, doch die bilaterale Außenhandelsstatistik bildet komplexe Lieferketten nicht vollständig ab.

Fazit: Aus einer großen Energiebeziehung wurde ein schmaler Resthandel

Die neuen Destatis-Daten dokumentieren einen historischen Bruch. Deutsche Warenimporte aus Russland sanken zwischen dem ersten Halbjahr 2021 und dem ersten Halbjahr 2026 um 96,4 Prozent, die Exporte um 73,1 Prozent. Der frühere Schwerpunkt auf russischem Erdöl und Erdgas verschwand nahezu vollständig. Auf der Exportseite dominieren heute pharmazeutische Erzeugnisse, während Maschinen und Fahrzeuge stark an Bedeutung verloren haben.

Auch Unternehmensbeteiligungen und Flugverbindungen sind deutlich zurückgegangen. Zusammengenommen zeigen die Indikatoren, dass die direkte wirtschaftliche Verflechtung beider Länder nicht nur vorübergehend gedämpft, sondern strukturell verkleinert wurde. Die Sanktionen sind ein zentraler Rahmen dieser Entwicklung, erklären aber nicht jede Veränderung allein. Unternehmensrückzüge, neue Lieferketten, Preise und politische Risiken gehören ebenfalls zum Bild.

Für die deutsche Gesamtwirtschaft ist Russland im direkten Warenhandel nur noch ein sehr kleiner Partner. Für einzelne Branchen und Unternehmen bleiben die verbleibenden Beziehungen dennoch komplex. Die geringe Summe senkt weder die rechtlichen Prüfpflichten noch die Risiken einzelner Geschäfte. Die wichtigste Aussage der Statistik liegt deshalb weniger in einem Handelsüberschuss als in der fast vollständigen Neuordnung von Warenstruktur, Abhängigkeiten und wirtschaftlichen Kontakten.

Häufige Fragen zum Deutschland-Russland-Handel

Die wichtigsten Werte beziehen sich auf das erste Halbjahr 2026 und werden mit dem ersten Halbjahr 2021 verglichen. Die folgenden Antworten ordnen Reichweite und Grenzen der Zahlen ein.

Wie viel importierte Deutschland im ersten Halbjahr 2026 aus Russland?

Der Warenwert lag laut Destatis bei gut 0,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2021 waren es 15,0 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 96,4 Prozent.

Wie hoch waren die deutschen Exporte nach Russland?

Deutschland exportierte im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro nach Russland. Gegenüber 12,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2021 ist das ein Minus von 73,1 Prozent.

Welche Waren importiert Deutschland noch aus Russland?

Die größten Gruppen waren Nahrungs- und Futtermittel mit 206,1 Millionen Euro, Metalle mit 168,3 Millionen Euro sowie chemische Erzeugnisse mit 95,9 Millionen Euro. Erdöl und Erdgas, die 2021 noch den Import dominierten, spielten in der aktuellen Struktur keine vergleichbare Rolle mehr.

Welche deutschen Produkte werden vor allem nach Russland geliefert?

Pharmazeutische Erzeugnisse waren mit 1,5 Milliarden Euro und 42,4 Prozent die größte Exportgruppe. Es folgten Maschinen mit 11,1 Prozent sowie Nahrungs- und Futtermittel mit 10,5 Prozent.

Ist Russland noch ein wichtiger deutscher Handelspartner?

Gemessen am gesamten deutschen Warenhandel ist die direkte Bedeutung gering. Auf Basis gerundeter Halbjahreswerte entfielen rechnerisch etwa 0,42 Prozent der deutschen Exporte und rund 0,07 Prozent der Importe auf Russland. Für einzelne Unternehmen und Produktgruppen kann die Bedeutung höher sein.

Erfasst die Statistik auch Dienstleistungen und indirekte Handelswege?

Nein. Die zentralen Import- und Exportwerte betreffen den Warenhandel. Dienstleistungen, Kapitalströme und über Drittländer laufende Lieferketten werden damit nicht vollständig abgebildet. Für eine umfassende Bewertung müssen deshalb weitere Statistiken und die jeweils geltenden Sanktionsregeln berücksichtigt werden.

Bildnachweis: Beitragsbild „Containerschiff als Symbol für internationalen Warenhandel“, Foto: Pixabay / Pexels, Foto-ID 262353, Nutzung gemäß Pexels-Lizenz. Zweites Bild „Pharmazeutische Produktion mit Tablettenblistern“, Foto: Elements Interactive / Pexels, Foto-ID 37466061, Nutzung gemäß Pexels-Lizenz.

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