Die deutschen Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Nach den am 15. Oktober 2026 veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes belief sich das Bruttoaufkommen auf rund 76,4 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um etwa 1,1 Milliarden Euro oder 1,5 Prozent. Damit wurde zum fünften Mal in Folge ein neuer Höchststand erreicht. Hinter der bundesweiten Rekordzahl verbergen sich jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen: Während elf Bundesländer höhere Einnahmen meldeten, gingen sie in fünf Ländern zurück.
Für die wirtschaftliche Einordnung ist diese Spannweite wichtiger als der Rekord allein. Gewerbesteuerzahlungen hängen eng mit den Erträgen gewerblicher Unternehmen, den örtlichen Hebesätzen und der Verteilung von Betriebsstätten zusammen. Zugleich können einzelne große Steuerzahler das Ergebnis einer Stadt oder eines Landes deutlich verändern. Ein steigendes Gesamtaufkommen ist deshalb weder automatisch ein Beleg für einen gleichmäßigen Aufschwung noch eine Aussage darüber, wie viel Geld jeder Kommune dauerhaft zur Verfügung steht.
Die neuen Daten liefern dennoch ein aussagekräftiges Bild der kommunalen Einnahmebasis im Jahr 2025. Sie zeigen, wie stark örtliche Finanzen mit Unternehmensentwicklung und Standortstruktur verbunden sind. Für Unternehmen wiederum bleibt der kommunale Hebesatz ein Kostenbestandteil, der sich von Standort zu Standort unterscheidet. Die Veröffentlichung verdient daher einen genaueren Blick auf die Zahlen, ihre Aussagekraft und ihre Grenzen.
Gewerbesteuereinnahmen steigen im fünften Jahr in Folge
Das Statistische Bundesamt beziffert das Bruttoaufkommen der Gewerbesteuer 2025 auf 76,4 Milliarden Euro. Der Zuwachs von 1,5 Prozent fiel stärker aus als im Vorjahr: Für 2024 hatte Destatis einen Anstieg um 0,2 Prozent gemeldet. Nach dem Einbruch im ersten Corona-Jahr 2020 wurden von 2021 bis 2025 jedes Jahr neue Höchststände erreicht. Die zugrunde liegende Zeitreihe reicht bis 1991 zurück.
Der Begriff Rekordwert sollte dabei sachlich gelesen werden. Die 76,4 Milliarden Euro sind eine nominale Summe, also nicht um die allgemeine Preisentwicklung bereinigt. Bei steigenden Preisen können auch Steuerzahlungen in Euro wachsen, ohne dass sich die reale Finanzkraft im gleichen Umfang verbessert. Außerdem handelt es sich um Einnahmen für das gesamte Bundesgebiet. Die Zahl sagt nichts darüber aus, wie gleichmäßig das Aufkommen auf Städte, Gemeinden und Regionen verteilt ist.
Die Gewerbesteuer ist besonders konjunkturabhängig. Steigende Unternehmensgewinne können das Aufkommen erhöhen, während schwächere Geschäftsjahre, Verluste oder Insolvenzen die Zahlungen vermindern. Auch Vorauszahlungen und spätere Abrechnungen sorgen dafür, dass das Aufkommen eines Jahres nicht deckungsgleich mit der wirtschaftlichen Aktivität desselben Kalenderjahres sein muss. Aktuelle Konjunkturindikatoren wie der Flash-PMI für September 2026 beschreiben deshalb eine andere zeitliche Ebene als der nun vorgelegte Realsteuervergleich für 2025.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich
Die stärksten prozentualen Zuwächse meldeten Schleswig-Holstein und das Saarland mit jeweils 13,0 Prozent. Hamburg folgte mit einem Plus von 11,1 Prozent. Insgesamt lagen elf Bundesländer über ihrem jeweiligen Vorjahreswert. In fünf Ländern sank das Gewerbesteueraufkommen dagegen: Bremen verzeichnete ein Minus von 12,0 Prozent, Baden-Württemberg von 7,2 Prozent, Sachsen von 6,9 Prozent, Brandenburg von 6,8 Prozent und Rheinland-Pfalz von 4,7 Prozent.
Diese Veränderungsraten dürfen nicht mit den absoluten Einnahmen verwechselt werden. Ein kräftiger prozentualer Anstieg in einem kleineren Land kann in Euro geringer ausfallen als eine moderate Veränderung in einem großen Flächenland. Ebenso lässt ein Rückgang nicht ohne weitere Daten erkennen, ob viele Betriebe schwächer abschnitten oder einzelne große Steuerfälle das Ergebnis prägten. Die Pressemitteilung nennt die Länderwerte, liefert aber keine unternehmensbezogene Zerlegung. Solche weitergehenden Schlussfolgerungen wären aus den veröffentlichten Summen nicht belastbar.
Gerade in Regionen mit wenigen besonders großen Gewerbesteuerzahlern kann das Aufkommen stark schwanken. Nachzahlungen, Erstattungen, Standortverlagerungen oder ein außergewöhnlich gutes beziehungsweise schwaches Geschäftsjahr eines großen Unternehmens können die kommunale Haushaltsplanung spürbar verändern. Das erklärt, warum Städte trotz eines bundesweiten Rekords sehr unterschiedliche finanzielle Erfahrungen machen können. Die Entwicklung von Auftragseingängen in wichtigen Industriezweigen und mögliche Unternehmensinsolvenzen bleiben für die künftige Stabilität der lokalen Steuerbasis relevant.

Wie die Gewerbesteuer berechnet und örtlich verteilt wird
Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer. Das ist in Paragraf 1 des Gewerbesteuergesetzes festgelegt. Ausgangspunkt ist der Gewerbeertrag eines Betriebs, der nach den Vorschriften des Gesetzes ermittelt wird. Das Finanzamt setzt daraus einen Steuermessbetrag fest. Erst anschließend wendet die hebeberechtigte Gemeinde ihren Gewerbesteuerhebesatz an.
Nach Paragraf 16 Gewerbesteuergesetz bestimmt die Gemeinde den Hebesatz. Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz aller deutschen Gemeinden laut Destatis bei 410 Prozent. Das waren ein Prozentpunkt mehr als 2024. Dieser Durchschnitt ist kein einheitlicher Satz: Die konkrete Belastung richtet sich nach dem Hebesatz der jeweils zuständigen Gemeinde.
Unterhält ein Unternehmen Betriebsstätten in mehreren Gemeinden, wird der Steuermessbetrag nach den gesetzlichen Zerlegungsregeln aufgeteilt. Dadurch kann das Gewerbesteueraufkommen an mehreren Standorten anfallen. Auch deshalb lässt sich aus dem Sitz eines Konzerns nicht ohne Weiteres ableiten, welche Kommune sämtliche Steuerzahlungen erhält.
Für Standortentscheidungen ist der Hebesatz nur ein Teil der Rechnung. Infrastruktur, verfügbare Arbeitskräfte, Gewerbeflächen, Verkehrsanbindung, Energieversorgung und die Nähe zu Kunden oder Zulieferern können größere wirtschaftliche Auswirkungen haben. Dennoch bleibt der lokale Satz ein klar bezifferbarer Kostenunterschied. Kommunen stehen damit vor einem Ausgleich: Einnahmen sollen gesichert werden, zugleich soll der Standort für bestehende und neue Betriebe attraktiv bleiben. Eine vielfältige Unternehmenslandschaft, wie sie etwa im Deutschen Startup Monitor 2026 beschrieben wird, kann die Abhängigkeit von einzelnen großen Steuerzahlern verringern.
Was der Rekord für die kommunalen Finanzen aussagt
Gewerbesteuereinnahmen finanzieren kommunale Aufgaben mit, doch das Bruttoaufkommen darf nicht mit frei verfügbarem Geld gleichgesetzt werden. Für eine vollständige Beurteilung sind unter anderem die Gewerbesteuerumlage, andere Einnahmen, laufende Ausgaben, Investitionsverpflichtungen und die Verschuldung zu berücksichtigen. Destatis stellt diese Zusammenhänge im Realsteuervergleich mit weiterführenden Tabellen dar.
Hinzu kommt die hohe Schwankungsanfälligkeit. Wiederkehrende Einnahmen aus einer breiten Zahl von Betrieben lassen sich verlässlicher planen als außergewöhnliche Nachzahlungen einzelner Unternehmen. Verantwortungsvolle kommunale Haushaltsplanung trennt daher zwischen dauerhaft erwartbaren Erträgen und Sondereffekten. Der bundesweite Zuwachs von 1,5 Prozent ist positiv, fällt aber nicht so groß aus, dass daraus pauschal ein deutlich erweiterter finanzieller Spielraum sämtlicher Gemeinden abgeleitet werden könnte.
Die Daten sind zugleich ein Hinweis auf die enge Verbindung zwischen kommunaler Infrastruktur und örtlicher Wirtschaft. Gewerbegebiete, Straßen, öffentlicher Nahverkehr, Schulen, digitale Verwaltung und weitere kommunale Leistungen beeinflussen die Qualität eines Standorts. Höhere Steuereinnahmen können Investitionen erleichtern, sofern sie nicht bereits durch laufende Verpflichtungen gebunden sind. Umgekehrt können notwendige Investitionen die Ansiedlung und Entwicklung von Unternehmen unterstützen. Der Realsteuervergleich misst jedoch Einnahmen und nicht die Qualität oder Wirksamkeit kommunaler Ausgaben.
Grundsteuer bleibt insgesamt bei 16,1 Milliarden Euro
Neben der Gewerbesteuer enthält die Destatis-Veröffentlichung neue Zahlen zur Grundsteuer. Die Einnahmen aus der Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliches Vermögen lagen 2025 bei rund 0,3 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 war das ein Rückgang um 19,6 Prozent. Die Grundsteuer B auf Grundstücke außerhalb der Land- und Forstwirtschaft brachte 15,8 Milliarden Euro ein, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
Nur wenige Gemeinden nutzten 2025 die Möglichkeit, eine Grundsteuer C auf unbebaute baureife Grundstücke zu erheben. Die Einnahmen daraus beliefen sich bundesweit auf 5,8 Millionen Euro. Insgesamt blieb das Grundsteueraufkommen aller Gemeinden mit 16,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr unverändert.
Gewerbesteuer und Grundsteuer zusammen werden als Realsteuern bezeichnet. Aus beiden Steuerarten erzielten die Gemeinden 2025 rund 92,5 Milliarden Euro. Das waren 1,2 Milliarden Euro oder 1,3 Prozent mehr als 2024. Der Anstieg des gesamten Realsteueraufkommens beruhte damit vor allem auf dem höheren Gewerbesteueraufkommen, während die Grundsteuer in der Summe keine Veränderung zeigte.
Welche Schlüsse Unternehmen und Kommunen ziehen können
Für Unternehmen bestätigt die Statistik, dass der Hebesatz einen messbaren Teil der örtlichen Steuerbelastung bestimmt. Der Bundesdurchschnitt von 410 Prozent eignet sich zur Einordnung, ersetzt aber nicht den Blick auf den tatsächlich geltenden Satz einer Gemeinde. Ebenso wenig erlaubt ein Landesdurchschnitt eine präzise Aussage über einzelne Städte. Wer Standorte vergleicht, benötigt deshalb kommunenscharfe Werte sowie eine Betrachtung der gesamten betrieblichen Rahmenbedingungen.
Für Kommunen unterstreicht die große Spannweite zwischen den Ländern, wie vorsichtig stark schwankende Einnahmen behandelt werden sollten. Ein Rekordjahr kann die Finanzierungskraft verbessern, garantiert aber keine gleichmäßige Fortsetzung. Eine breitere lokale Wirtschaftsstruktur verteilt Risiken besser als eine starke Abhängigkeit von wenigen Unternehmen. Auch die zeitversetzte Abrechnung der Gewerbesteuer spricht gegen die Annahme, dass jede Veränderung unmittelbar die aktuelle Konjunktur widerspiegelt.
Für die gesamtwirtschaftliche Analyse sind die Zahlen ein wichtiger, aber nachlaufender Indikator. Sie beschreiben abgeschlossene Einnahmen des Jahres 2025 und wurden im Oktober 2026 veröffentlicht. Aussagen zur wirtschaftlichen Lage im Herbst 2026 benötigen zusätzliche, zeitnähere Daten zu Produktion, Aufträgen, Beschäftigung, Preisen und Unternehmensstimmung. Der neue Höchststand zeigt eine robuste nominale Einnahmebasis der Gemeinden im Berichtsjahr, nicht automatisch einen flächendeckenden Aufschwung.
Häufige Fragen zu den Gewerbesteuereinnahmen 2025
Die wichtigsten Einzelfragen betreffen vor allem die Aussagekraft des Rekords, die regionalen Unterschiede und die Berechnung der Steuer.
Wie hoch waren die Gewerbesteuereinnahmen 2025?
Die deutschen Gemeinden nahmen brutto rund 76,4 Milliarden Euro Gewerbesteuer ein. Das waren etwa 1,1 Milliarden Euro beziehungsweise 1,5 Prozent mehr als 2024.
Warum spricht Destatis von einem Rekordwert?
Das Aufkommen erreichte den höchsten Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991. Nach dem Rückgang im ersten Corona-Jahr 2020 stiegen die Einnahmen von 2021 bis 2025 in jedem Jahr auf einen neuen Höchststand.
Welche Bundesländer meldeten die stärksten Zuwächse?
Schleswig-Holstein und das Saarland verzeichneten jeweils ein Plus von 13,0 Prozent. Hamburg folgte mit einem Zuwachs von 11,1 Prozent. Diese Prozentwerte sagen für sich genommen nichts über die absolute Höhe der Einnahmen aus.
In welchen Ländern gingen die Einnahmen zurück?
Rückgänge gab es in Bremen, Baden-Württemberg, Sachsen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz. Das stärkste Minus meldete Bremen mit 12,0 Prozent.
Ist der durchschnittliche Hebesatz von 410 Prozent überall gültig?
Nein. Die 410 Prozent sind der bundesweite Durchschnitt für 2025. Jede hebeberechtigte Gemeinde legt ihren eigenen Satz nach den gesetzlichen Vorgaben fest. Für die konkrete Steuerbelastung zählt der örtliche Hebesatz.
Beweist der Rekord eine starke Konjunktur im Jahr 2026?
Nein. Die Statistik bezieht sich auf Einnahmen des Jahres 2025 und kann zudem Nachzahlungen oder Erstattungen enthalten. Für eine Beurteilung der Konjunktur 2026 sind aktuellere Indikatoren erforderlich.
Fazit: Hohe Gesamteinnahmen treffen auf regionale Gegensätze
Die Gewerbesteuereinnahmen 2025 markieren mit 76,4 Milliarden Euro einen neuen nominalen Höchststand. Das Plus von 1,5 Prozent stärkte das bundesweite Aufkommen, setzte sich aber nicht in allen Regionen durch. Elf Länder meldeten Zuwächse, fünf Länder Rückgänge. Die Spannweite von plus 13,0 Prozent bis minus 12,0 Prozent zeigt, dass der Gesamtwert sehr unterschiedliche örtliche Entwicklungen zusammenfasst.
Für eine belastbare Einordnung müssen Bruttoaufkommen, Hebesätze, Unternehmensstruktur und mögliche Sondereffekte getrennt betrachtet werden. Der Rekord ist eine gute Nachricht für die kommunale Einnahmebasis des Jahres 2025, aber kein Beleg dafür, dass jede Gemeinde über mehr frei verfügbares Geld verfügt oder die Wirtschaft im Herbst 2026 überall wächst. Besonders aussagekräftig wird die Statistik erst zusammen mit kommunalen Einzelwerten und aktuellen Konjunkturdaten.
Bildnachweis: Beitragsbild „Rathaus und Stadtzentrum von Zittau“ von Anh Nguyen, Pexels-Foto-ID 22619624, Pexels-Fotoseite, Nutzung gemäß Pexels-Lizenz. Artikelbild „Euro-Banknoten, Münzen und Taschenrechner“ von olia danilevich, Pexels-Foto-ID 5466793, Pexels-Fotoseite, Nutzung gemäß Pexels-Lizenz.

