Die Preise vieler unternehmensnaher Dienstleistungen haben im zweiten Quartal 2026 deutlich angezogen. Nach den am 18. September 2026 veröffentlichten Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes lagen die Erzeugerpreise für Dienstleistungen 3,7 Prozent über dem Stand des Vorjahresquartals. Gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres betrug der Anstieg 1,6 Prozent. Damit beschleunigte sich die Entwicklung spürbar: Einen stärkeren Zuwachs im Jahresvergleich hatte die Statistik zuletzt im vierten Quartal 2022 mit 4,5 Prozent ausgewiesen.
Hinter dem Gesamtwert stehen sehr unterschiedliche Entwicklungen. Besonders kräftig verteuerten sich Verkehr und Lagerei. Innerhalb dieses Bereichs ragt die Güterbeförderung in der See- und Küstenschifffahrt mit einem Plus von 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr heraus. Auch Speditionsleistungen und Straßengüterverkehr wurden merklich teurer. In der Informationstechnik, der Telekommunikation und bei Werbeagenturen blieben die Zuwächse dagegen vergleichsweise moderat.
Die neuen Zahlen sind für Unternehmen deshalb relevant, weil Dienstleistungen an vielen Stellen in betriebliche Abläufe eingehen. Fracht, Lagerung, IT, Immobilienverwaltung, Rechtsberatung, Rechnungswesen, Reinigung und Zeitarbeit stehen in den Kostenrechnungen zahlreicher Branchen. Die Statistik sagt allerdings nicht voraus, ob und wann einzelne Unternehmen höhere Einkaufskosten an ihre Kunden weitergeben. Sie zeigt zunächst, wie sich die von inländischen Dienstleistern verlangten Preise im Durchschnitt verändert haben.
Der Gesamtindex erreicht den höchsten Jahresanstieg seit Ende 2022
Der Gesamtindex der Erzeugerpreise für Dienstleistungen stand im zweiten Quartal 2026 bei 115,3 Punkten auf der Basis 2021 = 100. Der Jahresanstieg von 3,7 Prozent lag deutlich über den 2,4 Prozent, die Destatis noch für das erste Quartal 2026 gemeldet hatte. Zugleich erhöhte sich der Index binnen eines Quartals um 1,6 Prozent.
Diese Werte dürfen nicht mit der Verbraucherpreisinflation gleichgesetzt werden. Der Erzeugerpreisindex für Dienstleistungen misst auf repräsentativer Grundlage die Preisentwicklung ausgewählter Leistungen, die Unternehmen für gewerbliche und private Kunden erbringen. Er erfasst damit eine frühere Stufe des Wirtschaftsprozesses. Destatis bezeichnet solche Indizes auch als Hinweisgeber für mögliche spätere Inflationstendenzen, ohne daraus eine automatische oder gleich hohe Weitergabe an Endkunden abzuleiten.
Für die wirtschaftliche Einordnung lohnt sich der Blick auf weitere Preisstufen. Die zuvor veröffentlichten Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im August 2026 zeigten einen Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch die Großhandelspreise im August 2026 lagen deutlich über dem Vorjahresstand. Die Indizes messen verschiedene Ebenen und Zeiträume; gemeinsam weisen sie jedoch auf breiten Preisdruck bei wichtigen Vorleistungen hin.
Verkehr und Lagerei treiben den Anstieg
Im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei stiegen die Preise gegenüber dem zweiten Quartal 2025 um 6,2 Prozent und gegenüber dem ersten Quartal 2026 um 4,3 Prozent. Mit einem Gewicht von 260,61 Promille stellt dieser Bereich einen großen Teil des Gesamtindex. Seine starke Bewegung schlug deshalb sichtbar auf das Gesamtergebnis durch.
Am kräftigsten fiel der Anstieg bei der Güterbeförderung in der See- und Küstenschifffahrt aus. Die Preise lagen 20,7 Prozent über dem Vorjahresquartal und 23,4 Prozent über dem unmittelbar vorhergehenden Quartal. Destatis führt dies auf gestiegene Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs und der Blockade der Straße von Hormus sowie auf Zuschläge der Reedereien zurück. Diese Begründung beruht nach Angaben des Amtes auf Auskünften der befragten Unternehmen.
Auch an Land verteuerten sich Transportleistungen. Für den Straßengüterverkehr meldete das Bundesamt ein Plus von 5,8 Prozent zum Vorjahr und 3,5 Prozent zum Vorquartal. Speditionsleistungen kosteten 6,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und 4,5 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten 2026. Lagerung und lagereiverwandte Leistungen stiegen dagegen binnen Jahresfrist um 3,2 Prozent und zum Vorquartal nur um 0,3 Prozent. Als Ursachen nannten Unternehmen unter anderem höhere Personal- und Energiekosten, etwa beim Betrieb von Kühlhäusern.
Für Hersteller, Händler und Importeure können höhere Frachtraten die Kalkulation verändern. Wie stark sich dies auf einzelne Waren auswirkt, hängt von Transportweg, Vertragslaufzeit, Lagerhaltung und dem Anteil der Logistik am Produktwert ab. Eine allgemeingültige Weitergabequote lässt sich aus dem Index nicht ableiten. Die Entwicklung ergänzt jedoch das Bild, das auch die jüngsten Daten zum industriellen Auftragsbestand zeichnen: Auf eine lebhafte oder gut gefüllte Nachfrage treffen in mehreren Bereichen steigende Kosten.
IT und Telekommunikation verteuern sich vergleichsweise moderat
Im Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation betrug der Preisanstieg 1,5 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025. Im Vergleich zum ersten Quartal 2026 sank der Teilindex sogar leicht um 0,1 Prozent. Damit entwickelte sich dieser Bereich wesentlich ruhiger als Transport und Lagerei.
Leitungsgebundene Telekommunikationsleistungen verteuerten sich binnen eines Jahres um 1,7 Prozent, drahtlose Telekommunikation um 1,2 Prozent. Für Datenverarbeitung, Hosting und verbundene Dienste meldete Destatis ein Plus von 1,4 Prozent. Software und Softwarelizenzen lagen 1,1 Prozent über dem Vorjahresquartal. Bei Softwareentwicklung und Programmierung betrug der Zuwachs 0,8 Prozent, bei IT-Beratung und Support 0,7 Prozent.
Als Gründe nannten die befragten Unternehmen neben allgemeinen Kostensteigerungen auch höhere Lizenzkosten. Die Daten zeigen zugleich, dass sich digitale Leistungen nicht einheitlich entwickeln. Ein steigender Preis für Lizenzen lässt sich daher nicht ohne Weiteres auf Programmierung, Hosting oder IT-Management übertragen. Für belastbare Vertrags- und Beschaffungsentscheidungen bleibt die jeweilige Leistungsgruppe entscheidend.
Immobilienvermittlung und Verwaltung werden deutlich teurer
Im Grundstücks- und Wohnungswesen erhöhten sich die Erzeugerpreise im Jahresvergleich um 2,5 Prozent und gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent. Innerhalb dieses Abschnitts verlief die Entwicklung auseinander. Die Vermietung von Immobilien verteuerte sich um 1,7 Prozent zum Vorjahr. Für Vermittlung und Verwaltung von Immobilien meldete Destatis dagegen ein Plus von 5,4 Prozent; zum ersten Quartal 2026 waren es 1,2 Prozent.
Nach Angaben der befragten Unternehmen trugen neben steigenden Mieten auch höhere Verwaltungsaufwendungen zu dieser Entwicklung bei. Der Index erfasst dabei die Preisänderung der betreffenden Dienstleistungen und ist nicht mit einem allgemeinen Immobilienpreisindex gleichzusetzen. Kaufpreise für Wohnungen oder Häuser werden in anderen Statistiken abgebildet.

Für die Immobilienwirtschaft kommt die Preisentwicklung in einer Phase, in der sich auch Bauaktivität und Finanzierung neu sortieren. Die zuletzt gemeldeten Baugenehmigungen bis Juli 2026 zeigten zwar einen Anstieg, aus Genehmigungen entstehen jedoch nicht automatisch kurzfristig fertiggestellte Wohnungen. Höhere Verwaltungs- und Vermittlungskosten bilden deshalb nur einen Teil der wirtschaftlichen Gesamtlage ab.
Rechnungswesen und Rechtsberatung liegen über dem Durchschnitt
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen verteuerten sich insgesamt um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders auffällig war das Rechnungswesen mit einem Plus von 6,0 Prozent. Rechtsberatungsleistungen lagen 4,1 Prozent über dem Vorjahresstand. Destatis nennt neue Vergütungsordnungen mit höheren Gebühren für Rechts- und Steuerberatungsberufe, die Mitte 2025 in Kraft traten, als einen Mitgrund.
Hinzu kamen nach Angaben der Unternehmen allgemeine Preisanpassungen zu Jahresbeginn, mit denen höhere Gemein- und Lohnkosten berücksichtigt wurden. Technische, physikalische und chemische Untersuchungsleistungen verteuerten sich um 2,8 Prozent. Bei Ingenieurbüros und technischer Beratung lag der Anstieg bei 1,7 Prozent. Werbeagenturen bewegten sich mit 0,2 Prozent kaum, während Werbeplätze 1,6 Prozent mehr kosteten als ein Jahr zuvor.
Die Spannweite macht deutlich, dass der Gesamtwert von 3,7 Prozent nicht als pauschaler Aufschlag auf jede Dienstleistung gelesen werden darf. Rechnungswesen, Rechtsberatung oder technische Prüfungen folgen jeweils eigenen Vergütungs-, Personal- und Sachkostenstrukturen. Bei länger laufenden Verträgen können zudem Preisanpassungsklauseln und vereinbarte Leistungsumfänge den tatsächlichen Rechnungsbetrag bestimmen.
Reinigung und Zeitarbeit spiegeln höhere Arbeitskosten
Verwaltungs- und Unterstützungsleistungen verteuerten sich um 3,5 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025 und um 1,2 Prozent zum Vorquartal. Bei Reinigungsleistungen betrug der Jahresanstieg 3,7 Prozent. Destatis verweist auf höhere Tariflöhne zu Jahresbeginn. Dienstleistungen der befristeten Überlassung von Arbeitskräften kosteten 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor; auch hier wurden höhere Tariflöhne und sonstige Betriebskosten häufig als Begründung genannt.
Bei personalintensiven Dienstleistungen wirken Lohnänderungen oft unmittelbarer auf die Kalkulation als in stark automatisierten Bereichen. Dennoch lässt sich auch hier nicht aus dem Branchenindex auf einen einzelnen Vertrag schließen. Leistungsumfang, Einsatzzeiten, Qualifikation, regionale Lohnniveaus und Laufzeiten können zu abweichenden Preisbewegungen führen.
Was der Index misst und wo seine Grenzen liegen
Die Erzeugerpreisindizes für Dienstleistungen beruhen auf repräsentativ ausgewählten Leistungen und Umsatzgewichten des Basisjahres. Die Preise werden so beobachtet, dass Leistungsqualität sowie Liefer- und Zahlungsbedingungen möglichst vergleichbar bleiben. Ändert sich die Qualität, versucht die Statistik, den darin enthaltenen Preiseffekt methodisch zu bereinigen.
Die veröffentlichten Quartalswerte sind nach Angaben von Destatis für den jeweiligen Berichtszeitraum endgültig. Bei einer späteren Umstellung auf ein neues Basisjahr können sich durch einen neuen Warenkorb, ein angepasstes Wägungsschema und eine veränderte Stichprobe dennoch geringfügige Revisionsdifferenzen ergeben. Detaillierte Zeitreihen stehen in der GENESIS-Tabelle 61311-0006 zur Verfügung.
Für die Einordnung sind außerdem die Vergleichszeiträume zu trennen. Das Plus von 3,7 Prozent bezieht sich auf das zweite Quartal 2025, das Plus von 1,6 Prozent auf das unmittelbar vorhergehende Quartal. Gerade bei stark schwankenden Frachtraten können diese beiden Perspektiven unterschiedliche Signale senden. Der sehr hohe Quartalsanstieg der Seefracht zeigt eine kurzfristige Bewegung, während der Jahresvergleich das aktuelle Niveau mit einem länger zurückliegenden Ausgangspunkt vergleicht.
Einordnung: Der Preisdruck konzentriert sich auf transport- und personalintensive Dienste
Die Daten sprechen nicht für einen gleichmäßigen Preisschub im gesamten Dienstleistungssektor. Der stärkste Impuls kam aus der Transportkette, vor allem aus der Seefracht. Zusätzlich stiegen personalintensive Leistungen wie Reinigung, Rechnungswesen und Rechtsberatung überdurchschnittlich. IT- und Kommunikationsdienste verteuerten sich hingegen deutlich schwächer.
Als wirtschaftliche Einordnung lässt sich daraus ableiten, dass Unternehmen mit hohem Fracht-, Beratungs- oder Reinigungsanteil eher mit Kostendruck konfrontiert sein können als Betriebe, deren externe Leistungen vorwiegend aus vergleichsweise stabilen IT-Diensten bestehen. Ob daraus höhere Verkaufspreise, niedrigere Margen oder Einsparungen entstehen, hängt von Wettbewerb, Vertragsgestaltung und Auslastung des einzelnen Unternehmens ab. Der amtliche Index allein liefert darauf keine Antwort.
Die vollständige Datengrundlage und die von Unternehmen genannten Ursachen veröffentlichte Destatis in der Pressemitteilung vom 18. September 2026. Sie ist die maßgebliche Quelle für die hier genannten Quartals- und Jahresveränderungen.
Fazit
Die Dienstleistungspreise in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 so stark gestiegen wie seit Ende 2022 nicht mehr. Das Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 1,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal wurde vor allem durch Verkehr und Lagerei geprägt. Seefracht verteuerte sich binnen eines Jahres um 20,7 Prozent, Speditionsleistungen um 6,2 Prozent und Straßengüterverkehr um 5,8 Prozent.
Außerhalb der Logistik lagen Rechnungswesen, Immobilienvermittlung und -verwaltung sowie Rechtsberatung über dem Durchschnitt. Bei Reinigung und Zeitarbeit verwiesen die Unternehmen insbesondere auf höhere Löhne und weitere Betriebskosten. Information und Kommunikation entwickelten sich mit einem Jahresplus von 1,5 Prozent wesentlich ruhiger.
Für Unternehmen liefert der Index damit einen differenzierten Hinweis auf die Preisentwicklung wichtiger Vorleistungen. Er ist weder eine Prognose für Verbraucherpreise noch ein pauschaler Maßstab für einzelne Verträge. Besonders aufmerksam bleibt die Entwicklung der Transportkosten zu beobachten, weil Fracht und Spedition viele Lieferketten verbinden und sich Veränderungen deshalb über mehrere Wirtschaftsstufen ausbreiten können.
Häufige Fragen zu den Dienstleistungspreisen 2026
Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten Aussagen der amtlichen Quartalsstatistik kompakt zusammen und grenzen die einzelnen Preisbegriffe voneinander ab.
Wie stark sind die Dienstleistungspreise im zweiten Quartal 2026 gestiegen?
Der Gesamtindex lag 3,7 Prozent über dem zweiten Quartal 2025. Gegenüber dem ersten Quartal 2026 stiegen die Preise um 1,6 Prozent.
Welche Dienstleistungen verteuerten sich am stärksten?
Am stärksten stiegen die Preise der Güterbeförderung in der See- und Küstenschifffahrt. Sie lagen 20,7 Prozent über dem Vorjahresquartal und 23,4 Prozent über dem ersten Quartal 2026.
Warum wurden Transportleistungen teurer?
Destatis nennt auf Grundlage der Unternehmensangaben vor allem gestiegene Treibstoffkosten und Zuschläge der Reedereien. Bei Lagerleistungen kamen höhere Personal- und Energiekosten hinzu.
Sind Erzeugerpreise für Dienstleistungen dasselbe wie Verbraucherpreise?
Nein. Der Erzeugerpreisindex misst die Preise ausgewählter Dienstleistungen auf einer früheren Stufe des Wirtschaftsprozesses. Er kann auf künftigen Preisdruck hinweisen, bildet aber nicht unmittelbar die Lebenshaltungskosten privater Haushalte ab.
Wie entwickelten sich IT- und Kommunikationsdienste?
Der Wirtschaftsabschnitt Information und Kommunikation verteuerte sich um 1,5 Prozent zum Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal ging der Index leicht um 0,1 Prozent zurück.
Wo sind die vollständigen amtlichen Daten verfügbar?
Destatis stellt die Pressemitteilung mit ausgewählten Teilindizes bereit. Detaillierte und längere Zeitreihen können über die GENESIS-Online-Tabelle 61311-0006 abgerufen werden.
Bildnachweis: Beitragsbild „Containerhafen in Hamburg“ von Wolfgang Weiser über Pexels, Foto-ID 20581299, Nutzung gemäß Pexels-Lizenz. Zweites Bild „Modernes Bürogebäude in Berlin“ von Marina Endzhirgli über Pexels, Foto-ID 39394492, Nutzung gemäß Pexels-Lizenz.